Die Momente im Leben eines Singles, in denen man denkt man ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort, sind ganz klar an einer Hand abzuzählen. Bedauerlicherweise trifft einen die Erkenntnis oft schneller als man denkt.

Teil 3 von Eine Single Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort?

Date Numero Uno

Mister Short-Messages alias Stefan, 41, ledig, ohne Altlasten, mit Wohnort direkt um die Ecke, sympathisch und ausgesprochen tageslichttauglich, und ich steuerten nach anfänglicher Skepsis meinerseits und Date-Pannen eins und zwei seinerseits, direkt in unseren ersten Flirtabend. Nach Lagecheck ohne Prosecco Einfluss machte die Nervosität einer anregenden Unterhaltung Platz. Ich fühlte mich wohl und hatte die Haare aus der Suppe vollständig entfernt. So ließ ich den Abend einfach laufen. Einige lustige Konversationen über Privatleben, Reisen, Beruf und Hobbies später, kamen wir natürlich auch auf das übliche Thema, das der abgelegten Liebschaften zu sprechen.

Wahrheit oder Liebe

Nachdem ich ihm von meiner letzten Beziehung erzählt hatte, riss ich kleine Details meines „atemberaubenden“ Singlelebens an. Seine Mimik sprach für sich…. Keine Muskelregung, kein Erstaunen, kein Lachen…  Hmm, komisch, und auch als ich endete, drang kein Kommentar von ihm zu mir durch. Okay dachte ich mir, diese Storys schienen ihn nicht aus der Reserve zu locken. Lag es etwa daran, dass er selbst so Jemand war? Abwarten, denn nun war er an der Reihe. „Ich muss dir etwas gestehen“…. Meine linke Augenbraue begann zu zucken. „Meine Ex-Freundin wohnt noch bei mir. Aber wir sind schon lange voneinander getrennt“. Bingo! Da hatte ich ja mal wieder den leibhaftigen Problemfall heraus gepickt. Ich grummelte vor mich hin: „Wie lange ist denn bei dir schon lange?“. Er druckste ein wenig herum und teilte mir dann mit, dass es eine typische On-Off-Beziehung war, und er den letzten Schlußstrich erst ziehen kann wenn man sich einig über das gemeinsame Haus wäre. Klasse, und wann sollte das sein? Meine Skepsis war mit der Aussage natürlich schlagartig gestiegen. Aber nichts desto trotz, manchmal soll ich ja auch nicht zu misstrauisch sein. Deshalb fragte ich ihn einfach nach der Ex, und warum es nicht mehr mit ihnen funktionieren würde..

Frau muss nicht immer alles wissen…

Das hätte ich dann mal doch lieber bleiben lassen. Es sprudelte aus ihm heraus. Seine Ex-Freundin war 12 Jahre jünger als er und hatte gerade ihren zweiten Frühling für sich entdeckt. War auf jeder Party, in jeder Disco zu Hause. Schlug sich die Nächte um die Ohren und blieb manchmal auch ohne Rückmeldung das komplette Wochenende fern. Ich blickte ihn ungläubig an. Was war das für eine Frau??? Frau? Oder doch besser Teenager? Und warum war er dann drei Jahre mit ihr zusammen und stellte sogar ein Klinker-Liebesnest mit ihr in einer Kleinfamilienidylle auf? Fragen über Fragen, die mir mein Flirt-Objekt des Abends leider auch nicht beantworten konnte. Wir steuerten das Gespräch also wieder in unkritischere Gewässer und genossen noch ein Glas Weißwein zusammen. Nach insgesamt vier Stunden, und einem bitteren Beigeschmack, machten wir uns auf den Weg zu unseren Autos. Am Ausgang wiederholte sich das Szenario vom Date-Start. Aber da meine Gedanken noch an der Story mit seiner angeblichen Ex hingen, ärgerte ich mich nicht darüber. Er brachte mich zu meinem Auto und wir standen uns verlegen gegenüber.

Müssen es denn immer Schmetterlinge sein?

Plötzlich nahm er meine Hand und küsste mich. Hui, Kribbeln im Bauch, wohlschmeckende Lippen auf den meinen und eine leichte Berührung unserer Zungen… Dachte ich in meiner Erwartungshaltung… Denkste, wenn ich ehrlich bin war der erste Kuss nicht wirklich wiederholungswürdig…Ich war sogar etwas angewidert. Aber so what… Bereits seit einiger Zeit Single, einsam und ungeküsst, wollte auch ich mal wieder an die große Liebe glauben können. So verabschiedeten wir uns in die Nacht und ich bekam noch auf dem Heimweg folgende Nachricht: „Es wahr wunderschoen mit dir heute Abent, ich habe lange nicht mer so fiel gefüllt wie bei dir. Ich hoffe auf ein schnelles Widersehen. Kuss Stefan…“.

Tipp- oder IPhonefehler?

Oh je, was war das denn? Ich war irritiert und regelrecht geschockt von seiner Nachricht. Waren das nun ein, oder bzw. mehrere Tippfehler beim Schreiben auf dem Heimweg. Oder hatte das IPhone die T9-Wörterbuchfunktion verlernt? Aber immer an das Gute im Menschen glaubend, verdrängte ich die Rechtschreibfehler dieser Nachricht und freute mich über den Inhalt… Bis zum nächsten Morgen, denn dann nahm meine Neugier überhand und ich schaute in sein Facebook Profil. In der Hoffnung einige Infos zu seiner „Ex-Freundin“ zu erhalten. Und siehe da, ich entdeckte die junge Dame. Schäm Dich Marie… Denn dann habe ich ihr ungeschütztes Profil gestalkt… Tz tz, was Frau nicht alles tut, um den frisch auserkorenen Neuling im Leben besser verstehen zu können 😉

Niveau ist kein Stück Seife

Peggy, 29 Jahre alt, mit 90er-Jahre-15-Kilo-Zuviel-Bauchfrei-Outfit. Auf ihrem Kopf prangte eine grelle Haarpracht aus lila-roten Strähnen, die im Kontext mit schwarz gefärbten verschiedenen Haarlängen standen. In der Hand eine Flasche Bier, die von angeklebten Drogeriemarkt-Fingernägeln umklammert wurde. So strahlte sie mir mit leicht angeschlagenem Blick entgegen. Ich blätterte ihr Profil durch. Auf jedem Bild posierte sie stolz in einem anderen legendären Pimkie-Party-Dress. OMG, das war zuviel. Langsam verstand ich, warum meine Neueroberung so scharf darauf war mich näher kennenzulernen. Er wollte scheinbar eine Frau mit Stil nach dieser offensichtlichen Frauen-Katastrophe.

Piep Piep…. In diesem Moment blinkte eine neue Nachricht von Stefan auf meinem Handy auf. Ich fühlte mich sichtlich ertappt 🙁 „Hei Schöhnheit, ich währe froh, wen ich dich heute Abent wider in den Arm nehmen könnte…“

Genau in diesem Moment machte es auch bei mir Piep…. Aber im Kopf! Denn ich verstand nun warum mir mein Casanova bisher nur recht kurze Nachrichten hatte zukommen lassen. Scheinbar war er nicht fit in den Basics, denn nach einer normalen Lese-Rechtschreibschwäche sah das nicht aus. Dazu die eben entdeckte  Kombi mit Madame Multicolored-Finger-Nails, und die Tatsache, dass diese auch noch bei ihm wohnte… Wollte ich mir das wirklich antun???

Meine Erinnerung an den ersten Kuß erleichterte mir meine Entscheidung. Ein Rechtschreib-Legastheniker ist eine Sache, aber gekoppelt mit Kuß- und Gentleman-Legasthenie? Dazu on Top eine waschechte Tussi im Schlepptau, die ich sofort für den Barbara Dex Award nominiert hätte?

Die Antwort war einfach: Das waren mir deutlich zu viele Haare die ich aus der mittlerweile versalzenen Suppe löffeln musste! Also, Date Numero Due würde nicht stattfinden. So verabschiedete ich Stefan diesmal nicht ehrlich, sondern mit einer kleinen Notlüge, zurück in sein inkompatibles Leben.

Über den Autor

Mitte 30, attraktiv, erfolgreich mit einem tollen Freund an meiner Seite, genoss ich bisher mein Leben in der Münchner Szene. Nach vier Jahren, so glaubte ich, war es an der Zeit mit unserer Partnerschaft zur nächsten Ebene überzugehen. So stellte ich, trotz konservativer Einstellung, die Frage aller Fragen. Und erhielt... Keine Antwort! Warum also weiter Zeit verplempern? Ich zog meine Konsequenz und stürzte mich kopfüber in mein neues Leben. Eine kleinere Stadt, bekannte Gesichter und weniger Oberflächlichkeit, das wünschte ich mir nach den Jahren in Downtown München. Somit machte ich mich Ende 2011 auf den Weg zurück in meine Heimatstadt. Fern der Schicki-Micki Gesellschaft, aber dennoch nah genug um immer noch dabei zu sein. Leider stellte ich ziemlich schnell fest, dass die Idylle der Stadt, die Freundlichkeit und die Männer auch hier eine enorme Wandlung durchlebt haben. Liegt die Oberflächlichkeit also vielleicht gar nicht an der Großstadt? Auf der Suche nach Antworten und wie ich mein Projekt „Back to the Roots“ in Münchens Umgebung meistern werde, und natürlich die Frage, wie viele Frösche ich bis zu meinem Traummann noch küssen muss... möchte ich hier gern mit Euch teilen.

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