Es war mal wieder soweit, letztes Wochenende traf sich die Münchner Bussi-Bussi-Gesellschaft – besser bekannt unter dem Namen „Schicki-Micki“ zum Trachten-Schaulaufen auf der Nacht der Tracht im Münchner Löwenbräukeller.
Und weil anscheinend ein Tag nicht (mehr) reicht, musste das Happening an zwei Tagen stattfinden.

Der Unterschied zwischen Freitag und Samstag?

Hmm… vermutlich die Modenschau von Münchens Trachtendealer Nr.1: Angermaier. Nachdem aber Angermaier selbst ja auch noch eigene Modeschauen und diverse Veranstaltungen für seine Modeschauen nutzt, war weder die hochwertige 20minütige Schau an sich, als auch der Inhalt was gänzlich Neues, zumal die Modenschau sich auch nicht gerade auf den Eintrittspreis auswirkte: Die Saalkarte kostete an beiden Tagen 29.- Euro – egal ob man Lust hatte die 20minütige Modenschau sehen zu wollen, oder nicht, was der Unterschied zur Kaffeefahrt mit Wärmedecken ist, denn da kostet die Fahrt wenig, aber die Verkaufsshow will dann die Produkte verkaufen – die Modenschau am Freitag somit also nicht…

Was bekam man für 29.- Euro neben Eintritt in den Saal ausserdem?

Einen Begrüßungsdrink – also ein alkoholisches Mixgetränk gereicht in einem Plastikbecher beim Eingang, Punkt. Dennoch ließen es sich weder Reich-noch-Schön, noch die Möchtegerns aber auch die die eigentlich überall sind und nirgends einen wirklichen Auftrag haben, es sich entgehen auf diesem Trachtenfest durch Abwesenheit zu glänzen – es waren alle da!

Wer bei Schicki-Micki mitspielen bzw. mitmachen will, muss anscheinend einiges über sich ergehen lassen, und vorallem darf er immer und überall WARTEN – das Stau stehen ist der Münchner ja schon gewohnt, warum also dann nicht auch mal auf der Nacht der Tracht das Erlernte ein bisschen in der Praxis widerholen?

Einmal Toilette hin und zurück: 45 Minuten

Das Fassungsvermögen der Toiletten im Löwenbräukeller machten es leicht bis zu 30 Minuten bei einem einfachen Gang auf die Toiletten zu verplempern – und nachdem Schicki-Micki nicht unbedingt heißt dass man Manieren und Benehmen haben muss, konnten ab 22 Uhr bereits die ersten Damen im Dirndl stehend an den Pissoirs gesichtet werden – sehr zur allgemeinen Verwunderung der Burschen die links und rechts daneben standen um eigentlich gleiches zu tun – aber es war anscheinend eine Art Notsituation, denn die schier nicht aufhören wollende Schlange vor den Toiletten „zwang“ anscheinend die Dirndlträgerinnen zu dem Schritt während hinten die Sitztoiletten sowieso schon von den Damen in Beschlag genommen waren und jeweils eine Dame die Rolle der „Hüterin der Toilettenkabinen“ übernahm und jeweils an die nächste übergab. In der Not teilt man also!

Männerbars, Damenbars

Nicht teilen und trotzdem Not erleiden durfte man an den diversen Bars – denn die Bars am Eingang und zwischen der Küche waren thematisch anscheinend in Männerbar und Damenbar aufgeteilt: An der einen Bar gab es nur Bier (0,3l Löwenbräu-Urtyp aus der Flasche für 4.- Euro) und Schnaps, an der anderen Bar nur Hugo (irgendwas mit 8 Euro), Sekt und andere Getränke die eher von Frauen konsumiert wurden. Wenn man also nun mit einem Madl anbandeln wollte, konnte man so immer zwischen den Bars hin- und herlaufen um sich selbst ein Bier und der Dame ein Getränk zu besorgen – achso, natürlich auch zweimal Anstehen inklusive!

wie am Mittlerer Ring nur ohne Auto

Mit der Saalkarte hat man sowieso keinen Anspruch auf einen Sitzplatz, aber selbst der Anspruch auf einen Stehplatz war aufgrund Ermangelung der Stehplätze die eigentlich nur an den Bars vorhanden waren, sehr übersichtlich und wenn man permanent zwischen den Bars patroulieren musste um sich und seiner Begleitung das Stehen wenigstens mit Getränken so angenehm wie möglich zu gestalten war eigentlich immer in Bewegung und wechselte sich zwischen Bewegung, Anstehen und Rumstehen ab – ein Training für den Mittleren Ring also, nur ohne Auto.

ignorante Barkeeper

Wer dann an der Bar etwas bestellen wollte, tat gut daran dies bei den vorderen Bars zu machen – den an der Bar hinten links seitlich konnte er zwar sehr schnell an den Tresen kommen – doch er bekam nichts zum Trinken. Anscheinend hatten die Barkeeper bereits ihren Umsatz, vorallem am Freitagabend, gemacht – und somit spielten die Barkeeper eher Door- und Sightkeeper und versuchten so unauffällig wie möglich ohne einen Blick links und rechts hinter der Bar eine Art Beamtenmikado zu spielen – übrigens wurden Männer wie Frauen zu gleichen Teilen ignoriert – was eigentlich an sich schon komisch ist – aber an so einem Abend sollte bzw. darf man sich nicht wundern – auch wenn Barkeeper keine Bestellung von total überteuerten Getränken annehmen wollen – vielleicht bin ich auch nur nicht lange genug angestanden.

Nacht der Tracht und gemischte Sauna

Wer mal die Transpirationsfähigkeit seiner Dirndl und Lederhose samt Trachtenhemd testen wollte, der konnte auch in die gemischte Sauna im ersten Stock gehen – dort wurde von DJ Enrico Ostendorf sicherlich guter Sound aus den Boxen produziert nur spätestens nach 5 Minuten war man entweder komplett durchgeschwitzt oder der Bewusstlosigkeit mangels Sauerstoff nahe. Also raus auf den Balkon, Frischluft schnappen – Blöd nur dass Frischluft hier mit Zigarettenqualm verfeinert war – aber wir wollen nicht kleinlich sein…

Leberkäse-Semmel für vier Euro

Für den kleinen Hunger zwischendurch wurde im Löwenbräukeller auch mitgedacht, allerdings zu horrenden Preisen, denn eine kleine Scheibe Leberkäse in einer Semmel die bereits am Vormittag aufgebacken wurde, wechselte für vier Euro den Besitzer – das ganze wurde sogar auf einem Prozellanteller übergeben, allerdings ist bei der Leberkäse-Semmel „to go“ das Stehen im Preis inkludiert sodass der Teller mit Serviette eigentlich mangels weiterer Hände und Arme auf den nächst gelegenen Tisch abgestellt wurde.

Manieren mit oder ohne Alkohol?

Manieren und Alkohol sind in der Münchner Schickeria anscheinend Ausschlußkriterien wenn eines überdurchschnittlich zunimmt, geht das andere runter – und so war es nicht weiter verwunderlich dass man am Tisch und den Prozellantellern sehr schnell sah wer wo dazugehören wollte: Manieren, Anstand oder Alkohol?

Nacht der Tracht „Aftershow“-Party: P1 goes Tegernsee

Nachdem irgendwann das rumstehen an sich, die diversen Transpirationstests und das permanente Anstehen an Bars und Toiletten mich ermüdeten und irgendwie nicht gerade beim Anbandeln förderlich waren – da die Dame die ich an diesem Abend kennenlernte irgendwie nie länger als 5 Minuten im gemeinsamen Gespräch mit mir war, da ich entweder für beide Getränke holte, oder sie fast 45 Minuten für einen Toilettengang benötigte, haben wir dann gemeinsam beschlossen diese Veranstaltung gemeinsam gegen 0.30 Uhr zu verlassen – nicht ohne kurz noch darüber nachzudenken jetzt noch auf die Nacht der Tracht „Aftershow“-Party im P1 zu gehen – denn dort wurde themengerecht an diesem Abend eine Party vollmundig unter dem Namen „P1 goes Tegernsee“ initiiert, vermutlich um die in Tracht gekleideten Besucher die nachts vom Löwenbräukeller zum Haus der Kunst die Location änderten bedarfs- und themengerecht „einfangen“ zu können.

Ab durch die Mitte…

Aber wir wollten nicht mehr weiter das Schauspiel das wir die letzten Stunden schon „ertragen“ haben auf uns einwirken lassen und tauschten im Taxi unsere Telefonnummern aus, ganz Gentlemen-like fuhr ich im Taxi noch mit, ihre Adresse lag sowieso auf dem Weg und nach Bussi-links-rechts war ich ein paar Minuten später auch froh endlich wieder zuhause zu sein und ein paar Minuten später im Bett.

Angelika, so hieß die Dame meines abendlichen Anbandeln schrieb mir noch ne liebe SMS inder sie sich für den netten Abend bedankte – nun, es gibt also auch noch Menschen mit Anstand und Manieren – ich bin entzückt!

Über den Autor

echter und gebürtiger (!) Münchner, 35J., sportlich, sucht... - ja was eigentlich...? Je älter ich werde desto weniger weiß ich eigentlich was ich will aber umso mehr weiß ich was ich nicht will... Um diesen Spruch ein wenig mit Beträgen zu füllen blogge ich hier meine Erlebnisse im Münchner Single-Jungle, den VIP-Parties und die Hinter- und Abgründe warum mich meine Eltern immer wieder fragen: "Warum findest Du keine Frau?" Finden alleine ist es nicht, im Single-Mekka München, der Stadt in Deutschland wo nachweisslich die meisten Singles wohnen, wird man(n) schon fündig - und über dieses Finden und Erleben werde ich hier schreiben. Ich freue mich auf einen regen Austausch und Eure Kommentare!

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Eine Antwort

  1. Lisa

    Ein sehr schöner Beitrag. Habe ihne sehr gerne gelesen. Und ich bin beeindruckt, dass es wirklich noch soche Gentlemens gibt. 🙂

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