Irgendwann ist immer das erste Mal – und meins war am Samstag – zumindest was das La Baracca angeht – München´s High-Tech Italiener am Maximilliansplatz.

Meine Jungs meinten wir müssten mal wieder was Neues ausprobieren – und mal wieder neue Wege einschlagen – zumindest was unsere Abendgestaltung anbetrifft – grundsätzlich finde ich dies eine wirklich gute Idee, nicht zuletzt auch deshalb weil Restaurants und Clubs einfach immer abflachen wenn man sie zu oft besucht!

tausend mal vorbeigefahren

la baracca münchenIch hatte mir schon öfters – wenn ich auf dem Altstadtring unterwegs war – gedacht, dass dieses von außen nett anzusehende „La Baracca“ in den alten Showräumen vom Auto König, Münchens ehemaliger Top-Nobelkarossen Händler, mal von mir besucht werden sollte, und somit haben wir bereits am Mittwoch die Reservierung für Samstag gemacht.

Pünktlich um 20:00 Uhr standen wir nun da… im Gang vom „La Baracca“ – und mit uns irgendwie 20 andere Personen… – nächstes Mal werden wir einfach für 20:12 Uhr reservieren, da ist dann nicht so ein Durcheinander und wir können zügig zu unserem Platz. Bevor wir allerdings auf unsere Platzanweiserin kamen wurden wir zunächst ins High-Tech-Alter gebeamt… – jeder von uns bekam ein Nexus-Touchpad – ähnlich einem Ipad mini in die Hand gedrückt.

Speisekarte im La Baracca als Touchpad

Dieses Touchpad ist anscheinend DER UNTERSCHIED zu allen anderen Restaurants – nachdem aber jeder mein Jungs bereits so ein Teilchen besitzt sind wir eher froh, am Abend, wenn wir mal weggehen, gerade auf diesen ganzen High-Tech-Schnick-Schnack zu verzichten (reicht ja schon das Iphone…) und uns ganz auf uns und die Gespräche zu konzentrieren… Am Tisch angekommen musste sich zunächst jeder legitimieren, also mit seinem Touchpad anmelden – am Tisch… ich war ab sofort 9.3 – mein Spezl gegenüber 9.6…

la baraccaDie nächsten 10 Minuten fanden keine Gespräche am Tisch statt die nicht was mit dem Bestellvorgang der Getränke zu tun gehabt hätten. Da wo normalerweise ein netter Kellner mal kurz die Getränkewünsche aufnimmt, dann verschwindet und wenig später mit einem vollen Tablett und allen Getränken wieder erscheint hat das „La Baracca“ ein Touchpad, und mehrere Kellner die fast jedes Getränk einzeln an den Tisch gebracht haben – denn Koordination können die Touchpads nicht… – die senden was ich eintippe und was ich bestelle – und selbst wenn man mit seinem Gegenüber jeweils zeitgleich auf „senden“ drückt um ein Weißbier zu bestellen, kann es schon sein, dass zwischen der Lieferung des ersten Weißbiers (übrigens 0,3l…) und dem zweiten Weißbier gut und gerne 5 Minuten vergehen.

Gemeinsames Trinken und Essen findet nicht statt!

Es ist mehr so eine Ego-Veranstaltung – jeder bestellt irgendwas im Touchpad und bekommt es dann irgendwann geliefert – gemeinsames Essen? Fehlanzeige!

Die Atmosphäre an sich ist okay – nicht besonders heimelig, die großen Räume wurden irgendwie abgetrennt aber irgendwie wirkt es dennoch wie eine hell beleuchtete Wartehalle im Hauptbahnhof (nur nicht so zugig). Das Essen war okay – was man aber aufgrund der gehobenen Preise auch erwarten konnte, aber hatte keinerlei „Pep“ – auch ein Restauranttester Rach hätte grundsätzlich nichts einzuwenden gehabt – aber mehr halt auch nicht!

Das Essen war ok… mehr aber auch nicht!

Das Entrecôte war ein wenig zu durch, dafür war keine Kräuterbutter o.ä. auf dem Teller (vielleicht hätte man die im Online-Konfigurator des Touchpad noch hinzubestellen müssen…) – die Pizzen waren hauchdünn aber geschmacksneutral. Die Frechheit war die Lasagne die in einem Topf mit 9cm Durchmesser gereicht wurde… – danach hast mehr Hunger wie vorher…

Holzbretter, Holzbretter…

Jeder bekam das Essen auf Holzbrettern serviert, es kam alles auf Holzbrettern, auch der Espresso und die Kugel Eis… alles… – aber dies ist anscheinend für die Ober die garantiert nicht vom Fach sind, einfach zu tragen… Der klassische Kellner wird hier schmerzlich vermisst – vor allem auch und gerade nach dem Essen… – das Abräumen der Holzbretter und den darauf befindlichen Teller und Töpfchen funktioniert nicht von selber – aber dafür gibt’s ja einen „Call a Service-Agend“-Button im Touchpad… Es muss nicht erwähnt werden dass der gerufene „Agend“ mein zweites Weissbier welches ich vor dem „Service-Call“ bestellt hatte, natürlich nicht dabei hatte, dafür kam dann ein weiterer ein paar Minuten später…

Schlußendlich nahmen wir die Touchpads, gingen Richtung Ausgang, übergaben die Pads der netten Dame die diese kurz über einen Scanner legte um dann Sekunden später uns einen Betrag zu nennen… – Auf einem Bildschirm konnten wir überprüfen ob das alles was da stand wirklich von uns verzehrt wurde – Geldübergabe – Schublade zu, danke – auf Wiedersehen!

Desillusionierung pur…

Desillusioniert standen wir kurze Zeit später draussen am Maximilliansplatz und fragten uns ob sich dieses Konzept in München so auf Dauer halten könne… – ein Vapiano für High-Tech-Freaks die sich am Tisch wenig bis gar nichts zu erzählen haben, bzw. können weil irgendwie immer ein paar am bestellen sind und deswegen am Pad rumwischen – während andere Essen und andere aufs Essen wartend zusehen mit einfachen, normalen Speisen in viel zu kleinen Behältnissen zu extrem hohen Preisen…

Naja… wir werden auf jeden Fall demnächst wieder zu unserem Lieblingsitaliener gehen, da ist die Welt noch in Ordnung – Luigi – unser Kellner liest uns die Getränkewünsche auch aus 15 Meter Entfernung an der Gestik ab und die Speisen kommen alle auf einmal – es wird miteinander gegessen – keiner muss im Touchpad wischend den Service-Agend zu rufen und die Rechnung ist auch bedeutend geringer…

Über den Autor

echter und gebürtiger (!) Münchner, 35J., sportlich, sucht... - ja was eigentlich...? Je älter ich werde desto weniger weiß ich eigentlich was ich will aber umso mehr weiß ich was ich nicht will... Um diesen Spruch ein wenig mit Beträgen zu füllen blogge ich hier meine Erlebnisse im Münchner Single-Jungle, den VIP-Parties und die Hinter- und Abgründe warum mich meine Eltern immer wieder fragen: "Warum findest Du keine Frau?" Finden alleine ist es nicht, im Single-Mekka München, der Stadt in Deutschland wo nachweisslich die meisten Singles wohnen, wird man(n) schon fündig - und über dieses Finden und Erleben werde ich hier schreiben. Ich freue mich auf einen regen Austausch und Eure Kommentare!

2 Responses

  1. daniel

    Hallo ich sehe das ähnlich wie du hier ich steh auch lieber auf den gemütlichen Italiener ohne Technik Raffinessen. Allerdings denke ich das die heutige Jugend die derzeit heranwächst auf sowas viel Wert legt und bei der älteren Generation schlechter ankommt. Da es derzeit noch die Ältere Generation ist die das Geld hat und bringt denke ich ist dieses Geschäftsmodell nicht so vielversprechend, die sache mag aber in 10 Jahren komplett anders ausschauen.. und sich voll durchsetzen.

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