Das erste Date kann gut verlaufen, muss es aber nicht… – Hier ein Beispiel wie man(n) innerhalb von 24 Stunden alles falsch machen kann und sich von der Pole Position wieder zurück auf den Transfermarkt katapuliert.

Mal ein ganz anderes erstes Date…

Vor kurzem war ich seit langer Zeit mal wieder mit meiner Freundin auf einem Stadtfest. So gar nicht München oder Oktoberfest-Like. Dennoch hatten wir viel Spaß und bereits nach kurzer Zeit zwei charmante Herren aus der City kennengelernt. Als lustige Vierer-Combo übernahmen wir die Theke. Prosecco wurde bestellt. Natürlich eine Flasche. Da mein blonder Prinz Charming nicht wollte, das ich das „abgestandene Zeug“ aus einer bereits geöffneten Flasche trinke. Die Spannung stieg, der Alkoholkonsum auch, und das Kerlchen nahm deutlich an Attraktivität zu. Irgendwann um drei Uhr nachts verabschiedeten wir uns von den Männern. Natürlich nicht, ohne vorher die Telefonnummern zu tauschen. Schließlich wollte Mann in der kommenden Woche für mich kochen.
Knoblauch-Chili-Garnelen an Mango-Koriander, gemeinsam mit seinen Freunden Ramon Bilbao und Hugo. Damit hatte er eindeutig gepunktet und ich freute mich auf unser erstes Date.

Manchmal läuft es gar nicht so schlecht… Denkste!

Die übliche Hürde nach dem Kennenlernen hatten wir erfolgreich gemeistert.
Mein blonder Prinz schrieb mir am nächsten Tag fleißig Nachrichten über Whatsapp und später über Skype. Ein Hoch auf die moderne Kommunikation, manchmal darf’s auch einfach mal laufen, oder? Das selbstgekochte Essen war terminiert und meine Aufregung und Spannung stieg mit jeder Minute. Aber dann… Nachmittags vor dem bevorstehenden Dinner schrieb er mir eine Nachricht, ob ich damit einverstanden wäre, wenn wir Pizza kommen lassen. Er habe recht spät noch einen Termin rein bekommen und würde es nicht mehr schaffen vorher einkaufen zu fahren.

Engelchen und Teufelchen.

Und da war sie wieder, meine Skepsis. Ich haderte mit mir. Fand diese Art und Weise schon sehr befremdlich. Und während ich noch mit Engelchen und Teufelchen fleißig am diskutieren war, flatterte die nächste Nachricht in mein Postfach. Es gäbe ja eigentlich kein gutes Pizza Taxi in der Nähe. Ob ich nicht auf dem Weg zu ihm etwas mitbringen könne? Huch, was soll ich sagen, hier verselbstständigte sich gerade meine Vorstellung von einer Einladung zum selbstgekochten Essen. Recht hatte er zwar mit der Aussage, aber sollte ich wirklich mein eigenes Essen zu einem Date mitbringen? Noch dazu wenn ER mich eingeladen hatte? Vermutlich bin ich im Singleleben noch nicht wieder ganz angekommen, oder einfach hoffnungslos naiv. Und somit ließ ich mich darauf ein. Ich fuhr also um kurz vor acht zu unserem angesehenen Italiener, packte zwei Rucola-Schinken-Pizza in mein Auto und fuhr weiter zu der angegebenen Adresse.

Manchmal darf es auch etwas mehr sein

Auf dem Parkplatz angekommen rief ich wie vereinbart Prinz Charming an, damit er mich zum Eingang lotste. Zwei Pizzaboxen in der einen Hand, Handy und Schlüssel in der anderen, Handtasche über der Schulter, High Heels an den Füßen. So stöckelte ich also um den Altbau herum um vollgepackt bis in den vierten Stock zu kraxeln. Was mich erwartete war im Nachhinein betrachtet ein Grund zum Umkehren. Da stand mein blonder Hüne, angelehnt an einen Stehtisch, mit einem Glas Wein in der Hand und einem Lächeln im Gesicht vor mir. Eigentlich kein schlechter Anblick…. Aber: Bussi links, Bussi rechts und „Da bist Du ja, ich habe schon mal den Wein aufgemacht und musste eben unbedingt vorkosten“…. sprach’s, drehte sich um und ging in die Wohnung. Hallo??? Ich stand wie ein Packesel im Flur und trottete langsam hinterher. Innerlich war mir natürlich bewusst, dass dieser Mann bereits verloren hatte. Da ich aber vor Hunger fast umkam, ließ ich mich auf das Essen ein. Der Abend verging wie im Flug… Für ihn! Kurz nach dem Anrichten der Pizza klingelte sein Telefon. Er, selbstständiger Unternehmensberater, musste natürlich dran gehen. Er telefonierte und telefonierte. Nun sah ich es mittlerweile auch nicht mehr ein, meine guten Manieren zu präsentieren und begann damit, mich meiner mittlerweile lauwarmen Pizza zu widmen.

Nachschenken bitte, aber nur in das Glas.

Als ich fast fertig mit meinem Gericht war, erschien der gute Herr auch mal wieder zu Tisch. Ein wenig verdutzt schaute er auf meine bereits zur Hälfte verspeiste Pizza, ging dann aber sehr schnell zur Tagesordnung über.
Plötzlich befand ich mich nicht mehr in einem ersten Date sondern in einer Berufsberatung. Prinz Charming alias busy Unternehmensberater meinte er habe sich mal unser Firmenprofil angeschaut und meine Leistungen (als PR Managerin bin ich natürlich unter meinem Namen überall zu finden). Eine geschlagene Stunde „begeisterte“ mich mein blonder Prinz mit wertvollen Tipps zur Unternehmensgestaltung, und intelligenten Anmerkungen, wie er gewisse Firmen führen würde. Eine wahre Bereicherung für den bereits vergeudeten Abend. Ich hatte also genug, von Wichtigtuerei und Unhöflichkeit. Verabschiedete mich in die Nacht und wurde an der Tür noch mit den Worten beglückt: „Du siehst müde aus, hattest Du einen anstrengenden Tag?“ Hätte ich zu dem Zeitpunkt noch Ramon in der Hand gehalten, hätte ich keine Rücksicht auf den guten Wein genommen, sondern ihn direkt in das Gesicht des gefallenen Prinzen geschüttet.

Disqualifiziert!

Die Krönung des Abends war, dass ich dann laut Mr. Charming, nun den Hinterausgang auf der anderen Seite nehmen könne, der mich direkt auf den Parkplatz führt. Müde fragte ich, warum er mich dort dann nicht hereingelassen hat? „Na weil die Tür keinen Summer hat und ich dann nach unten laufen müsste!“ Ohne Worte und weitere Verabschiedung bin ich gegangen. Ich erhielt an dem ganzen Abend kein Dankeschön für die mitgebrachte Pizza oder eine Gegenangebot zur Wiedergutmachung. Warum auch? In seiner Wahrnehmung hatte ja schließlich Prinz Charming MICH zum Essen eingeladen!

Fazit: Emanzipation hin oder her. Beim ersten Date mag ich immer noch die altmodische und konservative „alte Schule“.

Über den Autor

Mitte 30, attraktiv, erfolgreich mit einem tollen Freund an meiner Seite, genoss ich bisher mein Leben in der Münchner Szene. Nach vier Jahren, so glaubte ich, war es an der Zeit mit unserer Partnerschaft zur nächsten Ebene überzugehen. So stellte ich, trotz konservativer Einstellung, die Frage aller Fragen. Und erhielt... Keine Antwort! Warum also weiter Zeit verplempern? Ich zog meine Konsequenz und stürzte mich kopfüber in mein neues Leben. Eine kleinere Stadt, bekannte Gesichter und weniger Oberflächlichkeit, das wünschte ich mir nach den Jahren in Downtown München. Somit machte ich mich Ende 2011 auf den Weg zurück in meine Heimatstadt. Fern der Schicki-Micki Gesellschaft, aber dennoch nah genug um immer noch dabei zu sein. Leider stellte ich ziemlich schnell fest, dass die Idylle der Stadt, die Freundlichkeit und die Männer auch hier eine enorme Wandlung durchlebt haben. Liegt die Oberflächlichkeit also vielleicht gar nicht an der Großstadt? Auf der Suche nach Antworten und wie ich mein Projekt „Back to the Roots“ in Münchens Umgebung meistern werde, und natürlich die Frage, wie viele Frösche ich bis zu meinem Traummann noch küssen muss... möchte ich hier gern mit Euch teilen.

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2 Responses

  1. Markus

    Prost! Da ging wohl alles schief, was schief gehen kann. Der Typ war wohl genau das, was man „zum Abgewöhnen“ nennt. Kopf hoch, schließlich gibt es auch noch echte Kavaliere auf der Welt, die wissen, was sich gegenüber einer Dame gehört.

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  2. Nina

    Hallo Marie, super Geschichte aus dem wahren Leben!
    Möchte nicht wissen wieviele Typen hier sagen „was hat Sie denn?“ Ist doch alles ganz normal…

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