Als Single mit Grill-Fetisch ist es immer wieder schön mal den heimischen Grill gegen eine Einladung zum Grillen tauschen zu können. Ich habe mich gefreut als einer meiner stadtflüchtigen Freunde, der mittlerweile München und dem dortigem Singleleben den Rücken gekehrt hat, und nun zwischen Landshut und Dingolfing sein Häuschen bezogen hat, mich zum Grillen einlud.

Ich sollte nichts mitbringen, ausser einem Kasten Augustiner… – denn dass ist mittlerweile auf dem Land zur begehrlichen Ware geworden – denn Augustiner hat irgendwie Probleme zu viel durstige Kehlen mit zu wenig Produktion löschen zu müssen… Kurz-und-Gut: Ich habe bei meinem städtischen Dealer noch einen Kasten des begehrten Edelstoffs erhalten, packte ihn ins Auto und pilotierte den Boliden Richtung östliches Münchner Hinterland.

Sommer, Landstrasse und Vorfreude

Eine Landpartie ist wirklich was feines, das Wetter hätte schöner nicht sein können und so war ich fast schon traurig dass meine Ausfahrt schon nach ner Stunde beendet war und ich auf dem Anwesen meines Spezl stand. Eigentlich war ich auch viel zu früh dran, aber dennoch freute sich mein Freund mich nach einer gefühlten Ewigkeit mal wieder zu sehen – oder freute er sich über den Kasten Augustiner den ich im Anschlag hatte… Egal – er freute sich – soviel stand fest!

ein grosser Stein macht noch größere Schmerzen

Wir befüllten den Kühlschrank mit dem köstlichen Münchner Hopfengetränk, zogen die T-Shirts aus und saßen bzw. legten uns in die Liegestühle zum Männergespräch bei prallem Sonnenschein. In der Sonne Männergespräche führen macht durstig – und so wollte mein Spezl mir dann mal irgendwann eine eisgekühlte Cola aus der Küche holen… – er wollte… denn sein Lauf wurde jäh von einem wunderschönen im Weg befindlichen und lediglich der Deko dienenden „Findling“ einem extrem großen Stein der dort im Rasen sicherlich schon seit der baulichen Fertigstellung des Hauses weilte gestört… – genauer gesagt – er stieß sich seine Zehen an diesem Stein – und zwar so, dass er sich sofort unter Schreien und Fluchen ins Grass setzte und laut vor sich hin jammerte.

Schadensaufnahme

Ok – nun hieß es für mich Geschwindigkeit aufnehmen: Zunächst mal Schadensaufnahme: der große Stein war augenscheinlich weiterhin makellos 😉 – hingegen waren die Zehen von meinem Spezl nun schon in blutrot gut von weitem sichtbar. Also ab ins Eisfach, die für die Grillparty bereits vorbereiteten blauen Eiswürfelverpackung geholt, schnell noch die Terrassentür zugezogen, den Spezl untergehakt – in mein Auto hineinhüpfen lassen, die Flip-Flops neben der Sonnenliege noch geholt und ab ins Krankenhaus… Krankenhaus? Gibt’s sowas so weit weg von der bayrischen Hauptstadt überhaupt? In Vilsbiburg… zischte mein Spezl… – also ab auf die Landstrasse, das Navi mit Daten gefüllt und schon nach ner halben Stunde waren wir im Kreiskrankenhaus in Vilsbiburg vor der Notaufnahme.

Warten in der Nische

Die nette Dame am Empfang nahm erstmal in aller Ruhe alle Daten auf – Schmerzverzerrt beantworteten mein waidwunder Freund alle Fragen – zahlte 10 Euro Begrüssungsgeld und wurde ins Wartezimmer entlassen. WARTEN… – ist etwas, was man unter Schmerzen schon mal gar nicht kann… – lt. Duden steht „warten“ für: „dem Eintreffen einer Person, einer Sache, eines Ereignisses entgegensehen, wobei einem oft die Zeit besonders langsam zu vergehen scheint“ – und da spricht der Duden absolut die Wahrheit – doch das Warten in DIESEM Wartezimmer ist mit fast nichts zu vergleichen:

Die Nische unweit der Anmeldung hat kein Tageslicht, dafür einen Milchglas-Sichtschutz zwischen Anmeldung und Wartenden… – Für was? Für die Dame in der Anmeldung, damit sie das Leid das sich vermutlich dahinter in der Wartezimmer verbirgt, nicht sehen zu müssen? Einen Wasserspender gabs nicht – dafür aber zwei leere Flaschen Wasser auf der Wartebank gegenüber und Plastikbecher… Anstatt irgendwelcher Bilder nur kahle Wände – also fast kahl – denn an einer war für den Gasableser der Zähler montiert – nachdem ich aber mit Erdgas nichts zu tun habe, konnte ich auch mit den angezeigten Werten nichts anfangen… Links und Rechts neben uns warteten auch Menschen. Nach einer Dreiviertelstunde in dieser identischen Warteraum-Konstellation erkundigte ich mich bei den anderen Wartenden, wie lange sie dies denn schon tun würden…

DREI STUNDEN!!!!! Erhielt ich als Antwort! Drei Stunden saßen die bereits im „Wartesaal“ – ohne Doktor – ohne Kontakt zu einem der einen weissen Kittel anhat um die Not weswegen sie ja hier waren zu lindern… Na Prima! Ich vertrat gedanklich kurz die Idee, dass die einfach am Samstag nachmittag auch nichts besseres zu Tun hatten als einfach mal in einem Kreiskrankenhaus die Notaufnahme zu Testen – wenn da nicht dieser dicke Köchel meines Gegenübers – nach einer Wartezeit von drei Stunden schon in den schönsten rot-blau Tönen geschimmert hätte… – Bänderriß war meine Diagnose – seine auch, aber er wollte sie eigentlich von einem Arzt bestätigt sehen – deswegen war er ja in der Notaufnahme.

Heilung durch Warten?

Mittlerweile war auch die offene Wunde bei meinem Spezl bereits gestillt… – ganz von selber 😉 – Blut gerinnt also wirklich wenn man nur lang genug wartet… Ich nahm mein Iphone und wollte gerade ein wenig mit der Aussenwelt von diesem abgeschiedensten Ort Bayerns ohne Fenster Kontakt aufnehmen als der Wartende auf meiner Rechten Seite mich freundlich aber bestimmt darauf hinwieß dass Handies in dieser Nische nicht erlaubt seien und gestikulierte auf das Verbotsschild!
Mir war nun alles egal, zumal wir ja die anderen Freunde noch vertrösten mussten dass die Grillfeier ein wenig später stattfinden wird und antwortete – dass dies ja nur für Handies mit vibrirender Antenne gilt, und mein Iphone ja gar keine Antenne hat

Bitte warten…

Um wieviele Stunden sich wohl das gemeinschaftliche Grillen verschieben würde? „Drei Stunden warte ich nicht“ zischte mein Spezl, als ob er gerade meine Gedanken lesen konnte… – „dann sollen die anderen den Grill, das Fleisch und das Bier mitbringen und wir grillen hier!“ – die freundliche Damen an der Information hätts sicherlich gefreut – wenngleich sie es nicht hätte sehen können…

Selbstheilung bis zur Selbstaufgabe

Der Bänderriß gab auf – Dreieinhalb Stunden Warten in der halbdunklen, trockenen Wartenische der Notaufnahme hatten ihn geheilt oder mürbe gemacht – er ging, bzw. er hüpfte mangels schmerzfreiem Bodenkontakt zur Annehmerin, sagte dass es ihm reiche und verließ das Verließ. Wir begutachteten das Schauspiel und jeder von uns machte sich sodann seine eigene Deadline wie lange er bereit wäre in der Notaufnahme von ViBiBu wohl mit seiner Not aufgenommen zu werden. Nach einer weiteren halb Stunde tat sich was – und mein Spezl wurde aufgerufen… ENDLICH!!! Zwei Stunden nach dem Eintreffen mit einem Schmerz und einer offenen Wunde wurde sich doch schon um ihn gekümmert – was für eine Geschwindigkeit!!!

Weitere 20 Minuten später waren seine Zehen erstversorgt und genäht – also die Platzwunden! Der Rest wurde in einem wilden Gebilde aus Bandagen und Mullbinden getapt – und wir konnten endlich wieder in die Freiheit – ins Licht – nach Draussen!

wieder draussen in Freiheit

Kaum in Freiheit machten wir beide einen Rundruf an die auf den Grillabend wartenden Freunde denn weitere 20 Minuten später wurde der Grill angeheizt, mein lädierter Freund betäubte die Schmerzen mit Münchner Edelstoff und langsam kamen die Gäste. Jeder fragte nach dem Grund für die Verzögerung des Grillabend, und keiner konnte verstehen dass man in einem Kreiskrankenhaus länger als zehn Minuten zur Erstversorgung warten kann bzw. muss… Wilde Vergleiche mit Münchner Krankenhäusern der Kategorie „Großhadern“ und „Rechts der Isar“ wurden gezogen – und jeder hatte seine Notaufnahme-Story zu erzählen.

was spät anfängt ist noch später zu Ende

Die „Hobby-Krankenhaustester“ Grillparty wurde allerdings noch ein totaler Erfolg denn die gemeinsamen Erzählungen hielten bis spät in die Nacht an, und die leckeren Spareribs und der Augustiner Edelstoff rundeten das ganze wirklich gekonnt ab – und ich fiel irgendwie gegen 3 Uhr morgens absolut erschöpft in mein Gästebett. Vielleicht sollte ich einen Gästebett-Verleih gegenüber von der Notaufnahme in ViBiBu aufmachen, genug Gründe ein solches Bett für drei bis vier Stunden auszuleihen gebe es… 😉

Über den Autor

echter und gebürtiger (!) Münchner, 35J., sportlich, sucht... - ja was eigentlich...? Je älter ich werde desto weniger weiß ich eigentlich was ich will aber umso mehr weiß ich was ich nicht will... Um diesen Spruch ein wenig mit Beträgen zu füllen blogge ich hier meine Erlebnisse im Münchner Single-Jungle, den VIP-Parties und die Hinter- und Abgründe warum mich meine Eltern immer wieder fragen: "Warum findest Du keine Frau?" Finden alleine ist es nicht, im Single-Mekka München, der Stadt in Deutschland wo nachweisslich die meisten Singles wohnen, wird man(n) schon fündig - und über dieses Finden und Erleben werde ich hier schreiben. Ich freue mich auf einen regen Austausch und Eure Kommentare!

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Eine Antwort

  1. Dom

    Wow, das ist wirklich arg das man jemand mit der Erstversorgung so lange sitzen lässt. Hoffe deinem Freund geht es wieder besser. War wirklich gut geschrieben, auch wenn es kein guter Anlass war…
    Aber da die Grillfeier noch stattfand ist ja alles noch ganz gut ausgegangen 😉

    LG Dom

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