Es gab auch eine Zeit VOR dem Singledasein – auch wenn mir scheint, dass die glücklichen Tage in trauter Zweisamkeit lange lange vorbei sind. Versteht mich richtig. Komme durchaus gut alleine zurecht! Gehöre zu den glücklichen Menschen, die sich zu beschäftigen wissen und treue Freunde haben. Doch brauche ich mir nichts vorzumachen. Mir fehlt ein zärtlicher Kuss zur Begrüßung nach einem langen Arbeitstag – eine liebevolle Umarmung nach harten Gesprächen – gemütliche Abende mit feinem Essen und einem Glas Vino…ein emotionales „ ZUHAUSE-Gefühl“.

Wenn man längere Zeit allein lebt, so schleichen sich vertraute Gewohnheiten ein und die Kompromissbereitschaft droht einzuschlafen. Bin im Jahre 2008 aus meinem damaligen Beziehungs-Nest ausgezogen. Also schon ein Weilchen her.

In den vergangenen Monaten hatte ich nun das Vergnügen eine  beziehungsähnliche Wohnsituation zu erproben. Mein kleiner Bruder (7 Jahre jünger) hat ein Semester lang ein Praktikum in München absolviert. Was lag da näher als bei seiner Schwester unterzukommen. Meine Wohnverhältnisse sind auf meine Lebenssituation als Single angepasst. Also: eher bescheiden – Konkret: 1 Zimmerwohnung (aber immerhin 41qm²!) Meine Besorgnis, ob ich über einen längeren Zeitraum mit viel „NÄHE“ umgehen könnte, war schnell verflogen.
Morgens habe ich uns frische Brötchen und Brezen besorgt und Er hat mir beim Frühstück Löcher in den Bauch gefragt: Über Rilke – über Erkenntnistheorie – über Oskar Werner – über Film Noir…Herausforderungen schon zu Beginn des Tages! Abends durfte ich mich endlich wieder in der Küche austoben.  Liebe es zu kochen, den Esstisch mit Servietten und Kerzen zu dekorieren und den so den Tag entspannt ausklingen zu lassen.
Wir haben Trivial Pursuit gespielt, sind Sport-Schwimmen gegangen,  haben uns über American Dad totgelacht, stundenlang geredet, Musik gemacht, gemeinsame Projekte geplant und realisiert und einfach eine coole Zeit gehabt. Und so waren die Monate eine ECHTE Bereicherung für mich. (Auch wenn ich mich manchmal geärgert habe, wenn Er spät nach mir aus dem Haus ist und ich trotzdem noch den Abwasch vom vergangenen Abend machen musste!!!!)
Am Samstag hat Er dann seine Sachen gepackt um in Stuttgart sein Aufbaustudium zu beenden. Nun bin ich wieder alleine und es fühlt sich nicht schön an. Habe wieder erlebt wie erfüllend es sein kann, Zeit mit einem Menschen zu verbringen, der einem ähnlich ist und gut tut. Eine kostbare Erfahrung…

Danke für die schöne Zeit…miss you ;-(

Über den Autor

weiblich, knapp über 30, Eliteuniversität, selbstständig, Gelegenheitsmodel, bodenständig, so könnte auch ein Roman anfangen, denn die Voraussetzungen waren eigentlich exzellent als ich vor etwa einem Jahr als zuversichtlicher Single nach München gezogen bin. München gilt deutschlandweit als Hauptstadt der Singles. Liebling der (Schein-)Reichen und Schönen. Bekannt für oberflächliche „Bussi-Bussi“ Begegnungen und unverbindliche Flirts. Trotz meiner Vorkenntnisse die Münchner Szenegesellschaft betreffend, dachte ich: So schwer kann es ja nicht sein in Deutschlands Singlehauptstadt einen charmanten Mann kennenzulernen. Mein Fazit nach einem Jahr: da habe ich mich schwer getäuscht. Und wurde getäuscht. Vom schönen Schein und schönen Worten. Man(n) mag mir Naivität vorwerfen. Doch es ist schlichtweg mangelnde Erfahrung in der Welt der Szene-Singles in München. Gestattet mir etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern: Über die fruchtlosen Balz-Rituale und das Show-Gehabe in Münchens In-Locations und was mir in der Weltstadt mit Herz noch so alles passiert.

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